Zero-Click-SEO

Warum Traffic 2026 anders funktioniert

Noch vor wenigen Jahren galt im Online-Marketing eine einfache Logik: Wer besser rankt, bekommt mehr Klicks und wer mehr Klicks bekommt, gewinnt. Im Jahr 2026 funktioniert diese Rechnung immer öfter nicht mehr. Der Grund ist schnell erklärt: Ein großer Teil der Google-Suchen endet inzwischen ohne Klick. Nutzer*innen erhalten ihre Antworten direkt in den Suchergebnissen, über Featured Snippets, Knowledge Panels, lokale Ergebnisse und vor allem über AI Overviews, also KI-generierte Zusammenfassungen. Das wirkt auf viele Unternehmen zunächst wie ein Verlust. Tatsächlich ist es aber vor allem ein Signal dafür, dass sich SEO verändert.

Denn Zero-Click bedeutet nicht, dass SEO tot ist. Es bedeutet, dass der Wert von SEO sich verschiebt. Weg von reinen Klickzahlen und hin zu Sichtbarkeit, Vertrauen und Markenpräsenz in genau den Bereichen, in welchen Nutzer*innen heute ihre Entscheidungen vorbereiten.

Was Zero-Click-SEO wirklich bedeutet

Von einer Zero-Click-Search spricht man, wenn eine Suchanfrage bereits in der Ergebnisliste beantwortet wird und Nutzer*innen deshalb nicht mehr auf ein organisches Ergebnis klicken müssen. Das passiert zum Beispiel dann, wenn Google die Antwort direkt als Featured Snippet ausspielt, wenn ein Knowledge Panel die wichtigsten Informationen über ein Unternehmen zeigt oder wenn in „People Also Ask“ passende Fragen und Antworten aufscheinen. Seit dem Ausbau von KI-Funktionen ist dieser Effekt noch stärker geworden, weil AI Overviews mehrere Quellen zusammenfassen und Nutzer*innen dadurch oft alles Relevante bekommen, ohne eine Website zu öffnen.

Für Unternehmen bedeutet das: Sichtbarkeit findet immer öfter vor dem Klick statt. Wer nur auf Traffic schaut, misst zunehmend an der falschen Stelle.

Warum klassische SEO-Kennzahlen an Aussagekraft verlieren

Traditionelle SEO-Reports drehen sich meist um Rankings, Klicks, CTR, Sessions und Conversions. Diese Kennzahlen sind nicht plötzlich wertlos, aber sie erklären im Jahr 2026 nicht mehr die ganze Realität. Der Grund ist, dass die Suchergebnisse heute nicht mehr aus zehn blauen Links bestehen, sondern aus vielen unterschiedlichen Flächen, auf welchen Marken auftauchen können, wie eben AI Overviews, Snippets, lokale Treffer, Karten, Produkt-Elemente, Bilder, Videos, Knowledge Panels und vieles mehr.

Diese Fragmentierung führt dazu, dass eine Marke sehr präsent sein kann, obwohl der Traffic nicht proportional steigt. Gleichzeitig kann eine Suchanfrage die Wahrnehmung einer Marke beeinflussen, ohne dass Analytics-Tools diesen Einfluss sauber einem späteren Kauf oder einer Anfrage zuordnen können. Das ist ein klassisches Attribution-Problem: Ein*e Nutzer*in sieht Sie in der Suche, merkt sich den Namen und kommt später direkt wieder oder konvertiert über einen anderen Kanal. In der Webanalyse sieht das dann aus, als hätte SEO wenig gebracht, obwohl SEO den Ausschlag gegeben hat.

Visibility-First: Das neue Erfolgsprinzip im Zero-Click-Zeitalter

Die logische Antwort auf diese Entwicklung ist ein Strategiewechsel. Moderne SEO-Ansätze setzen stärker auf Präsenz, Autorität und Wiedererkennbarkeit. Im Kontext der KI-Suche wird dafür oft der Begriff AI SEO oder auch GEO (Generative Engine Optimization) verwendet. Dahinter steckt die Idee, nicht nur „für Rankings“ zu optimieren, sondern dafür zu sorgen, dass Google und KI-Systeme die Marke eindeutig verstehen, einordnen und in relevanten Kontexten nennen.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr: „Wie viele Klicks bekomme ich?“ Viel entscheidender ist: „Wie sichtbar ist meine Marke in der gesamten Suchergebnislandschaft, inklusive aller SERP-Features und KI-Antworten?

Welche KPIs 2026 zählen

Eine der wichtigsten Kennzahlen in einem Zero-Click-Setup ist der sogenannte Share of SERP Presence. Er beschreibt, wie häufig die eigene Marke in den unterschiedlichen Elementen einer Suchergebnisseite auftaucht. Während man früher im Wesentlichen nur gezählt hat, auf welcher Position ein Keyword rankt, muss man heute berücksichtigen, dass eine Suchanfrage mehrere „Plätze“ bietet, an denen man sichtbar sein kann. Ein einzelnes Keyword kann gleichzeitig ein AI Overview, ein Featured Snippet, eine PAA-Box, Videos und klassische organische Ergebnisse enthalten. Wer hier mehrfach erscheint, baut deutlich stärkere Präsenz auf als jemand, der „nur“ einen Link auf Platz drei hat.

Neben der SERP-Präsenz spielt das Thema Entities eine zentrale Rolle. Suchmaschinen und KI-Systeme denken weniger in Keywords und immer stärker in Entitäten, also eindeutig identifizierbaren Dingen, wie Unternehmen, Marken, Produkten, Personen oder Standorten. Wenn Google das eigene Unternehmen sauber als Entity versteht, steigen die Chancen auf Knowledge Panels, saubere Zuordnungen, Erwähnungen in AI Overviews und generell auf Sichtbarkeit in den richtigen Kontexten. Deshalb wird auch die sogenannte Entity Coverage wichtig. Sie zeigt, ob die eigenen relevanten Marken- und Produktbegriffe in der Suche tatsächlich mit dem Unternehmen als „Haupt-Entity“ verbunden werden oder ob hier Lücken bestehen.

Ein dritter Faktor, der an Bedeutung gewinnt, sind Brand Mentions in KI-Ergebnissen. AI Overviews, Chat-Interfaces und andere generative Systeme werden immer mehr zur ersten Informationsquelle. Entsprechend sinnvoll ist es, regelmäßig zu prüfen, ob die eigene Marke in relevanten Antworten vorkommt, ob Quellen verlinkt werden, wie prominent die Erwähnung ist und wie man im Vergleich zu Wettbewerbern sichtbar ist. Hier entstehen gerade neue Standards, aber das Grundprinzip ist klar: Wer in KI-Antworten vorkommt, gewinnt Aufmerksamkeit, Vertrauen und mittelfristig Nachfrage, auch wenn nicht immer ein Klick stattfindet.

Warum SERP-Features das neue Schlachtfeld sind

Im Zero-Click-Zeitalter reicht es nicht mehr, „irgendwo“ gut zu ranken. Es geht darum, in den richtigen Suchflächen präsent zu sein. Featured Snippets sind weiterhin extrem sichtbar, weil sie oft ganz oben erscheinen. People Also Ask ist wichtig, weil Nutzer*innen dort aktiv weiterklicken und Marken, die in diesen Antworten vorkommen, gewinnen überproportional viel Aufmerksamkeit. Knowledge Panels sind essenziell für Markenautorität, weil sie Fakten, Bewertungen, Links und Profile bündeln. Und AI Overviews sind aktuell die prominenteste Entwicklung, weil sie Nutzer*innen effizient durch die Suche führen und klassische Klickpfade verkürzen.

Wer diese Flächen strategisch besetzt, kann auch ohne denselben Traffic wie früher messbar mehr Marktpräsenz aufbauen.

Warum Zero-Click trotzdem Umsatz treiben kann

Ein gutes Beispiel ist eine typische Suchanfrage wie „beste Online Marketing Agentur Wien“. Selbst wenn Nutzer*innen am Ende keinen organischen Treffer anklicken, können sie die eigene Marke mehrfach sehen; im AI Overview, in einer PAA-Antwort, im lokalen Bereich, vielleicht sogar in Bewertungen oder in einem Knowledge Panel. Das verändert die Wahrnehmung, schafft Vertrauen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man später direkt nach Ihrer Marke sucht oder Sie in einem Angebot vergleicht.

Zero-Click bedeutet daher nicht „keine Wirkung“. Es bedeutet, dass Wirkung häufiger indirekt stattfindet und dass SEO als Branding- und Influence-Kanal verstanden werden muss.

Was Unternehmen konkret tun sollten

Eine wirksame Zero-Click-Strategie startet fast immer mit Struktur. Strukturierte Daten und Schema-Markups helfen Suchmaschinen, Inhalte besser zu verstehen und Entities sauber zuzuordnen. Gleichzeitig sollte Content so aufgebaut werden, dass er für Antwortformate geeignet ist. Das bedeutet: klare Definitionen, prägnante Absätze, saubere Überschriften, Listen, FAQs und Module, die sich als Snippet oder AI-Zitat eignen.

Darüber hinaus gewinnt Topical Authority an Bedeutung. Wer ein Thema nicht nur oberflächlich bespielt, sondern über Cluster-Strukturen, interne Verlinkung und inhaltliche Tiefe zeigt, dass er ein Gebiet wirklich abdeckt, wird häufiger in Antwortsystemen auftauchen. Auch Brand Signals bleiben entscheidend: Erwähnungen in relevanten Portalen, PR, hochwertige Backlinks, konsistente Unternehmensdaten, ein gepflegtes LinkedIn-Profil und externe Reputation wirken direkt auf Entity-Verständnis und KI-Sichtbarkeit ein.

Viele Unternehmen sind noch auf das alte Denken trainiert und reagieren nervös, wenn der organische Traffic stagniert oder sinkt. In vielen Fällen ist das aber nicht automatisch ein Problem, sondern eine Folge der veränderten Suchlandschaft. Google will Nutzer*innen im eigenen System halten und baut deshalb immer mehr Features aus, die Antworten direkt liefern. Gleichzeitig war die Customer Journey auch früher nicht linear, sie war nur schwerer zu sehen. Zero-Click macht sichtbar, dass Nutzer*innen sich häufig mehrere Informationen holen, bevor sie handeln. Deshalb ist es sinnvoll, SEO-Erfolg weniger über „Klick“ zu definieren und stärker über Präsenz, Einfluss und Nachfrageentwicklung.