ChatGPT sucht jetzt anders
ChatGPT entwickelt sich immer stärker von einem reinen KI-Chatbot zu einer eigenständigen Such- und Empfehlungsplattform. Aktuelle Analysen zeigen nun, dass OpenAI offenbar auch die technische Verarbeitung von Websuchen verändert hat.
Statt Suchanfragen ausschließlich in einem klassischen JSON-Format zu übermitteln, verwendet ChatGPT bei bestimmten Abfragen eine kompakte, zeilenbasierte Syntax. Gleichzeitig kommen unterschiedliche Suchkanäle, Aktualitätsfenster und Domain-Abfragen zum Einsatz.
Was zunächst nach einer rein technischen Anpassung klingt, könnte langfristig großen Einfluss auf SEO und die Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen haben.
Die neue Abfragestruktur wurde bislang nicht offiziell von OpenAI dokumentiert. Sie basiert auf Beobachtungen und Analysen der von ChatGPT ausgeführten Suchvorgänge. Die grundsätzliche Entwicklung passt jedoch zu den offiziellen Informationen von OpenAI. ChatGPT kann Suchanfragen umformulieren, mehrere Abfragen ausführen und je nach Nutzerabsicht unterschiedliche Ergebnisarten darstellen.
Zeilenbasierte Suchanfragen statt klassischem JSON
Bisher wurden Suchanfragen von ChatGPT häufig in einer JSON-basierten Struktur dargestellt. Die neue Syntax ist deutlich kompakter aufgebaut. Einzelne Informationen werden durch senkrechte Striche (sogenannte Pipes: | ) voneinander getrennt.
Die einzelnen Bestandteile stehen dabei offenbar für:
- den verwendeten Suchkanal,
- die konkrete Suchanfrage,
- das Aktualitätsfenster in Tagen,
- eine optionale Domain-Einschränkung.
Jede Zeile entspricht einem eigenen Suchvorgang. Dadurch kann ChatGPT mehrere unterschiedliche Abfragen schnell hintereinander ausführen und die Ergebnisse anschließend zu einer Antwort zusammenführen.
Für Websitebetreiber ist weniger die technische Schreibweise entscheidend als die dahinterliegende Entwicklung. ChatGPT zerlegt komplexe Nutzerfragen zunehmend in mehrere Suchvorgänge.
Freshness Windows
Eine interessante Neuerung sind sogenannte „Freshness Windows“. Dabei legt ChatGPT offenbar fest, aus welchem Zeitraum die angezeigten Suchergebnisse stammen sollen.
Wie groß dieses Zeitfenster ist, hängt vom jeweiligen Thema ab. Bei Inhalten, die schnell veralten, fällt es entsprechend kurz aus. Bei langfristig relevanten Informationen kann ChatGPT dagegen auch deutlich ältere Quellen berücksichtigen.
Mögliche Zeitfenster sind beispielsweise:
- Aktienkurse: wenige Tage
- aktuelle Nachrichten und Sportergebnisse: rund eine Woche
- Produktvergleiche und Kaufberatungen: etwa 30 Tage
- Quartalsberichte und Unternehmensinformationen: etwa 90 Tage
- Erfahrungsberichte und Diskussionen: mehrere Monate oder Jahre

Ein Beispiel für eine zeitkritische Suche könnte so aussehen: fast|NVIDIA NVDA stock price August 2026|2
Das Zeitfenster von zwei Tagen signalisiert, dass für die Antwort möglichst aktuelle Informationen benötigt werden.
Was bedeutet das für SEO?
Die Aktualität eines Inhalts wird nicht für jede Suchanfrage gleich bewertet. Ein zeitloser Ratgeber kann über Jahre hinweg relevant bleiben. Bei Preisen, Produkten, Veranstaltungen, Nachrichten oder gesetzlichen Änderungen können veraltete Informationen dagegen schnell aus dem relevanten Suchfenster fallen.
Unternehmen sollten daher prüfen:
- Welche Inhalte verlieren schnell an Aktualität?
- Sind Preise, Leistungen und Verfügbarkeiten auf dem neuesten Stand?
- Werden bestehende Ratgeber regelmäßig inhaltlich aktualisiert?
- Ist das Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum klar erkennbar?
Dabei reicht es nicht, lediglich das Datum eines Beitrags auszutauschen. Wichtig ist, dass die Informationen tatsächlich überprüft und aktualisiert werden.
Unterschiedliche Suchkanäle für unterschiedliche Nutzerabsichten
ChatGPT scheint Websuchen zunehmend nach Inhaltstyp und Suchintention zu unterscheiden. Dafür werden verschiedene Suchkanäle eingesetzt.
Beobachtet wurden unter anderem:
- fast für allgemeine Websuchen
- product für Produktsuchen und Kaufempfehlungen
- business für lokale Unternehmen und Dienstleistungen
- image für die Bildersuche
- genui_run für interaktive Elemente und Widgets
Diese Aufteilung zeigt, dass ChatGPT nicht einfach nur eine Liste klassischer Suchergebnisse abruft. Das System entscheidet zunächst, welche Form der Suche am besten zur jeweiligen Anfrage passt.
Produktsuche
Bei konkreten Kaufabsichten kann ChatGPT auf einen Produktkanal zurückgreifen und mehrere Produkte miteinander vergleichen.
OpenAI bestätigt, dass bei Produktergebnissen unter anderem strukturierte Produktdaten, Preise, Beschreibungen, Verfügbarkeit und Informationen von Drittanbietern berücksichtigt werden. Für Onlineshops gewinnen vollständige und konsistente Produktdaten damit weiter an Bedeutung.
Wichtige Faktoren sind beispielsweise:
- eindeutige Produktbezeichnungen,
- aktuelle Preise und Verfügbarkeiten,
- aussagekräftige Produktbeschreibungen,
- hochwertige Produktbilder,
- strukturierte Produktdaten,
- Bewertungen und nachvollziehbare Erfahrungsberichte.
Lokale Suche
Für lokale Anfragen kann ChatGPT Standortinformationen in die Suche einbeziehen. Wer beispielsweise nach einem Installationsbetrieb, einer Werbeagentur oder einem Restaurant in Wien sucht, erhält andere Ergebnisse als bei einer allgemeinen Anfrage ohne Ortsbezug.
Klassische Local-SEO-Maßnahmen bleiben demnach relevant, auch für die Sichtbarkeit in KI-Systemen. Zu den Maßnahmen gehören:
- ein vollständig gepflegtes Unternehmensprofil,
- einheitliche Kontaktdaten auf allen Plattformen,
- definierte Einzugsgebiete,
- lokale Leistungsseiten,
- aktuelle Bewertungen,
- verständliche Angaben zu Standort und Öffnungszeiten.
Suche innerhalb bestimmter Domains
Eine weitere Änderung betrifft die Einschränkung auf einzelne Websites. Früher wurde dafür häufig ein klassischer Suchoperator wie site:domain.at direkt in die Suchanfrage eingebaut. In der neuen Syntax steht dafür offenbar ein eigener Domain-Slot zur Verfügung. ChatGPT kann damit eine bestimmte Domain durchsuchen. Welche Website ausgewählt wird, hängt unter anderem davon ab, welche Quelle das System für eine Marke oder ein Thema als relevant und vertrauenswürdig einstuft.
Es reicht nicht immer, nur auf der eigenen Website gute Inhalte zu veröffentlichen. Auch die Präsenz auf anderen vertrauenswürdigen Plattformen kann die Wahrnehmung einer Marke beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise:
- Branchenportale,
- Fachmedien,
- Vergleichsplattformen,
- Hersteller- und Partnerseiten,
- Bewertungsportale,
- relevante Foren und Communitys.
Interaktive Widgets ersetzen teilweise klassische Suchergebnisse
Bei bestimmten Fragen zeigt ChatGPT mittlerweile interaktive Elemente direkt in der Benutzeroberfläche an. Dazu können Aktiencharts, Sportergebnisse, Karten, Produktansichten oder andere dynamische Darstellungen gehören.
In solchen Fällen wird nicht immer eine klassische Website als Quelle verlinkt. Für Unternehmen und Publisher kann das bedeuten, dass bestimmte Suchanfragen zwar beantwortet werden, aber keinen direkten Websitebesuch mehr auslösen.
Das sollte auch bei der Erfolgsmessung berücksichtigt werden. Eine Marke kann in einer KI-generierten Antwort vorkommen oder deren Ergebnis beeinflussen, ohne dass daraus zwingend ein Klick entsteht.
Klassische Kennzahlen, wie Rankings und organische Sitzungen reichen deshalb langfristig möglicherweise nicht mehr aus. Zusätzlich relevant werden:
- Markennennungen in KI-Antworten,
- Quellenangaben und Verlinkungen,
- Sichtbarkeit bei konkreten Fragen,
- Empfehlungsanteile innerhalb einer Branche,
- Zugriffe mit der Quelle chatgpt.com.
OpenAI weist darauf hin, dass Referral-Links aus der ChatGPT-Suche automatisch mit dem Parameter utm_source=chatgpt.com versehen werden können. Dadurch lassen sich entsprechende Besuche in Webanalyse-Systemen erkennen.
Welche Rolle spielt Reddit?
Auch Foren und Community-Plattformen, wie Reddit scheinen weiterhin Einfluss auf KI-generierte Empfehlungen zu haben. Auffällig ist, dass ChatGPT dort teilweise sehr große Zeiträume durchsucht.
Bei Produkterfahrungen können Diskussionen aus dem vergangenen Jahr berücksichtigt werden. Bei lokalen Empfehlungen greift das System unter Umständen sogar auf Beiträge aus mehreren Jahren zurück.
Reddit erscheint dabei nicht immer als sichtbare Quelle. Die dort gefundenen Meinungen können dennoch in die Bewertung bereits bekannter Marken, Produkte oder Anbieter einfließen.
Kurzfristig angelegte Accounts und offensichtlich werbliche Beiträge dürften deshalb kaum eine nachhaltige Wirkung erzielen. Sinnvoller ist eine glaubwürdige Präsenz in Communitys, mit hilfreichen Beiträgen und echten Erfahrungen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Die beobachteten Änderungen bedeuten nicht, dass klassische SEO-Maßnahmen plötzlich überholt sind. Im Gegenteil, technische Zugänglichkeit, hochwertige Inhalte, strukturierte Daten, Autorität und Aktualität bilden weiterhin die Grundlage.
Unternehmen sollten jetzt folgende Punkte prüfen:
- Crawling ermöglichen: Die Website darf den OAI-SearchBot nicht blockieren, wenn Inhalte in der ChatGPT-Suche erscheinen sollen.
- Inhalte aktuell halten: Preise, Produkte, Dienstleistungen, Öffnungszeiten und zeitkritische Ratgeber sollten regelmäßig überprüft werden.
- Suchintentionen abdecken: Inhalte sollten konkrete Kundenfragen klar, verständlich und möglichst vollständig beantworten.
- Strukturierte Daten verwenden: Produkt-, Unternehmens-, Artikel- und FAQ-Daten helfen Suchsystemen dabei, Inhalte besser einzuordnen.
- Lokale Signale stärken: Für regional tätige Unternehmen sind konsistente Unternehmensdaten, lokale Landingpages und Bewertungen wichtig.
- Externe Präsenz aufbauen: Erwähnungen auf glaubwürdigen Fachportalen, Partnerseiten und Community-Plattformen können die Wahrnehmung einer Marke unterstützen.
- KI-Sichtbarkeit beobachten: Neben Google-Rankings sollte regelmäßig geprüft werden, wie ChatGPT und andere KI-Systeme das Unternehmen bei relevanten Fragen darstellen.
SEO wird kontextabhängiger
Die neue Suchstruktur zeigt, wie differenziert ChatGPT inzwischen mit Suchanfragen umgeht. Aktualität, Suchintention, Inhaltstyp, Standort und bevorzugte Quellen werden offenbar bereits bei der Auswahl der Suchmethode berücksichtigt.
Eine einzelne SEO-Strategie für alle Inhalte reicht nicht aus. Produktdaten sollten anders optimiert werden als lokale Dienstleistungen. Aktuelle Fachbeiträge benötigen andere Aktualisierungszyklen als zeitlose Ratgeber.
Gleichzeitig bleiben die Grundlagen unverändert. Wer relevante, gut strukturierte und vertrauenswürdige Inhalte veröffentlicht, schafft die besten Voraussetzungen, um sowohl bei Google als auch in KI-basierten Suchsystemen gefunden zu werden.